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Von – 3. Oktober 2017

Niemand kann allein die Welt retten. Aber das ist keine Ausrede fürs Nichtstun.

Wer Gutes tun will, steht heute schnell im Verdacht, naiv oder leichtgläubig zu sein. Hilal Sezgin setzt diesem Trend ein mutmachendes Buch entgegen, mit vielen guten Argumenten.

Wie konnte es passieren, dass das Moralische so in Verruf geraten ist? Warum gelten Menschen, die sich darum bemühen, Gutes zu tun und anderen zu helfen, heutzutage oft als naiv, gar als dumm?

Die Philosophin und Sachbuchautorin Hilal Sezgin liefert Argumente und Hintergründe gegen diese gefährliche Mode. Denn unsere Gesellschaft braucht Hilfsbereitschaft und Empathie, sie braucht Menschen, die sich in ihrem Verhalten an moralischen Maßstäben orientieren.

Sezgin widerlegt die gängigen Argumente gegen das „Gutmenschentum“ und untersucht die psychologischen Mechanismen, die häufig im Spiel sind, wenn Menschen moralische Ansprüche abwehren. Zum Beispiel der Konkurrenzmodus, in den wir nur allzu schnell geraten: Wer sich selbst weniger gut verhält als andere, neigt dazu, das unangenehme Gefühl, das dadurch entsteht, durch Abwertung der besser Handelnden zu überspielen. Da redet man dann das Engagement der Nachbarin in der Flüchtlingshilfe lieber klein oder wertet es ab, anstatt es zu bewundern und zu würdigen – und vielleicht zu bedauern, dass man selbst dafür leider keine Zeit hat.

Das Buch ist unterhaltsam und streckenweise sogar humorvoll geschrieben. Sezgin theoretisiert nicht, sondern greift auf eigene Erfahrungen als Tierrechtlerin und in der Flüchtlingshilfe zurück. Sie zeigt, wie falsch oft gehörte Gegenüberstellungen sind: Ja, viele „Gutmenschen“ handeln nicht nur uneigennützig, sondern haben auch selbst etwas von ihrem Engagement, sie fühlen sich dadurch besser und glücklicher. Aber warum genau ist das eigentlich schlimm?

Eine schöne Ermutigung für alle, die nicht aufhören wollen, sich persönlich für das Gute in der Welt einzusetzen.

Hilal Sezgin: Nichtstun ist keine Lösung. Dumont 2017, 160 Seiten, 14 Euro.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 3. Oktober 2017 in der Rubrik Bücher & Filme, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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