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Von – 31. Oktober 2017

„Wieso durfte der Luther als Mönch eigentlich heiraten?“

Schulfrei am Reformationstag, das hören erst einmal alle Kinder gern. Aber was hat es mit Luther und seinen 95 Thesen auf sich? Das interessiert auch Kinder aus muslimischen oder hinduistischen Familien, zeigte ein Projekttag am Gymnasium Nied.

Warum hält Franziskus die Hand ans Ohr? Weil es ums Zuhören geht – Pfarrer Joachim Preiser von der Gemeinde Nied mit Kindern vom örtlichen Gymnasium beim Projekttag zum Reformationsjubiläum. Foto: Stefanie von Stechow

Warum wird der 31. Oktober dieses Jahr so groß gefeiert? Haben Kinder auch heute noch etwas von der Reformation? Offensichtlich ja. Denn auch wenn über 60 Prozent der Kinder nach Auskunft von Schulleiter Mathias Koepsell aus muslimischen Familien kommen, wurde ein Projekttag am Gymnasium Nied zum Thema Reformation mit großem Interesse angenommen.

Das Gymnasium Nied befindet sich erst im Aufbau, vier- bis fünfzügig gibt es bislang nur die Klassenstufen 5 bis 7. Unter Arbeitstiteln wie „Entdecke Luthers Wege durch Frankfurt“, „Malen wie Cranach und schreiben wie Luther“ oder „Martin Luther trifft Papst Franziskus“, aber auch durch Ausflüge nach Worms und auf die Wartburg erarbeiteten sich die Kinder gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern einen Zugang zu den Ereignissen der Reformation. Und das, obwohl der allergrößte Anteil von ihnen gar nicht aus einem christlich geprägten Elternhaus kommt.

Wieso dachte Luther, er ist ein Sünder?

„Wie kommt das, dass er ein Mönch war und trotzdem heiraten durfte?“, „Hat er etwa die Goldene Bulle verbrannt?“ oder: „Wieso dachte Luther, er ist ein Sünder?“ – solche und ähnliche Fragen schwirrten den Kindern durch den Kopf. Schon in der Woche vor dem Reformationsjubiläum hatten sie im Geschichts-, Religions- und Ethikunterricht den Projekttag inhaltlich vorbereitet. Montag dann stiegen die einen in den Zug nach Worms oder zur Wartburg, die anderen trafen sich in der Schule. Sie sahen Filmausschnitte oder drehten selbst kleine Filme, diskutierten und schnitten die einzelnen Elemente der Lutherrose in Linoleum, bestrichen sie mit Farben und druckten sie anschließend auf Papier.

„Das war so etwas wie Luthers Markenzeichen, sein Logo“, erklärte Kunstlehrerin Laura Haertel. „Damit jeder sehen konnte, dass eine Schrift auch wirklich von Martin Luther stammt.“ Was Kreuz, Herz und weiße Rose für Luther bedeuteten, wurde auch besprochen. Und wie Lucas Cranach, der große Maler zu Luthers Zeiten, mit seinen stark individualisierten  Bildern die Vorlagen zu druckfähigen Karikaturen des Reformationsstreits lieferte.

„Viele Eltern haben uns aktiv unterstützt“

„Nur, wenn wir den Kindern Wissen und Teilhabe anbieten, kann Integration gelingen“, ist Schulleiter Koepsell überzeugt. Und so traf Religionslehrer Knut Klüppelholz mit seiner Idee eines für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden Projekttags zum Thema Reformation erst im Kollegium und dann auch in der Schulgemeinde auf offene Ohren. „Wissen vermitteln, heißt Vorurteile abbauen und sich ein eigenes Urteil bilden zu können“, sagt Klüppelholz. Und was haben die Eltern der muslimischen oder hinduistischen Kinder zu dem Projekt gesagt? „Viele haben uns aktiv unterstützt, wollten sogar selber mitmachen“, sagt Koepsell.

Auch die Kinder waren ganz offen: „Gehört halt dazu“, sagen Ghazal und Negin, Soraya, Max oder Munib. „Auch wenn ich nicht an Gott glaube, ist es doch interessant“, findet Saunia. Sie war in der Arbeitsgruppe „Luther trifft Franziskus“, für die Christina Belau, Musik- und Geschichtslehrerin, und Florian Schäfer, Lehrer für Sport und Naturwissenschaften, ein ökumenisches Projekt der Kirchengemeinden in Nied aufgegriffen haben. Schon das ganze Reformationsjahr hindurch hatten sie mit zwei lebensgroßen Kunstfiguren der beiden berühmten Kirchenmänner an öffentlichen Plätzen der Stadt zu Diskussionen eingeladen.

Die Kinder sahen erst Filmausschnitte zu Luthers Leben und Überzeugungen, dann zu Papst Franziskus. Anschließend besuchten sie gemeinsam die beiden Kirchen im Stadtteil. „Warum hält Franziskus sich die Hand ans Ohr? Was wollte uns die Künstlerin mit dieser Geste sagen?“, fragt Pfarrer Joachim Preiser. „Man muss immer gut zuhören“, antworteten die Kinder.

Was der Ablass-Handel war, dass eine Bann-Bulle etwas anderes als Frankfurts berühmte Goldene Bulle ist, und dass man in der katholischen Kirche auch heute noch als Pfarrer nicht heiraten darf – die Kinder haben an diesem besonderen Schultag viel gelernt. Viele haben nämlich intensiv zugehört.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 31. Oktober 2017 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Stefanie von Stechow ist Mutter von vier Kindern und freie Journalistin. Sie schreibt über Themen aus Familie, Bildung und Gesellschaft.

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Rüdiger Michel schrieb am 31. Oktober 2017

    Ein hervorragendes Zeichen! Danke für diese Aktion, das behutsame Heranführen- gelebte Telhabe / Integration und Verstehen lernen! Danke für den Beitrag . „Am Anfang war das Wort“

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