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Von – 15. November 2017

Ein Strom aus Menschen: Ai Weiwei filmte Flüchtlinge rund um den Globus

„Human Flow“ heißt der neue Dokumentarfilm des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei. Er zeigt, wie sich am Phänomen der Flucht die Frage der Zivilisation entscheidet.

Foto: Filmpresskit

Im Flüchtlingslager in Idomeni in Nordgriechenland stehen zwei Männer im Matsch – es hat tagelang geregnet – und tauschen zum Spaß ihre Reisepässe aus. Sie amüsieren sich ganz offensichtlich miteinander, ebenso wie die Gruppe, die um sie herum steht. Der eine Pass ist ein syrischer, mit ihm ist momentan nicht viel anzufangen: Das Land liegt in Schutt und Asche. Der andere Pass ist ein chinesischer und gehört Ai Weiwei, einem Konzeptkünstler, der von seiner Regierung seit Jahren kritisch überwacht wird.

2011 wurde Ai Weiwei inhaftiert, dann wieder entlassen, allerdings ohne Pass. Den bekam er erst 2015 zurück. Seit er nun selbst wieder reisen kann, hat sich Weiwei intensiv mit dem Thema Flucht beschäftigt. „Human Flow“, „Menschenstrom“ heißt sein daraus entstandener Dokumentarfilm, in dem es tatsächich um sich wie unaufhaltsam bewegende Menschenmassen geht: Flucht, so wird klar, ist ein globales Phänomen, ein unausweichliches dazu. An ihm entscheidet sich die Zukunft der Zivilisation.

Dass der Regisseur kein Journalist ist, sondern ein Künstler, kommt dem Film zugute. Wie in der Szene mitdem Pass begegnet Weiwei den Menschen, die er trifft, nicht als objektiver Berichterstatter, sondern als Mitmensch. Die ornamentalen Aufnahmen sind bei allem Leid und aller politischen Ausweglosigkeit oft geradezu schön: der aus großer Höhe herangezoomte Stapel Rettungswesten etwa, oder die akurate Anordnung der Zeltreihen in einem jordanischen Lager. Diese Ansichten eines Massenphänomens wechseln ab mit Nahaufnahmen von Menschen, von Individuen, die deren Einzigartigkeit zeigen. Immer wieder werden kleine Alltagsszenen eingefangen, die von der Normalität der Wünsche und Bedürfnisse der Geflüchteten erzählen.

Einziger Kritikpunkt ist Weiweis Einordnung des Palästinakonflikts in diesen Kontext, wo er teilweise mit anti-israelischen Stereotypen arbeitet. Ansonsten aber ein wirklich sehenswerter Film, der auch von der Evangelischen Filmjury als Film des Monats empfohlen wird.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 15. November 2017 in der Rubrik Bücher & Filme, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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