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Bei der Landtagswahl setzt das Römerbergbündnis auf „buntgemustert statt kleinkariert“

Banner, Plakate und Aufkleber werben auf Frankfurter Brücken und anderswo für Toleranz statt rechter Abschottung.

Das Römerbergbündnis im Einsatz für Offenheit und Toleranz: v.l. Vanessa Lehr, Jennifer Marställer, Philipp Jacks, der evangelische Stadtdekan Achim Knecht, der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz, in der Mitte OB Peter Feldmann Foto: Rolf Oeser
Das Römerbergbündnis im Einsatz für Offenheit und Toleranz: v.l. Vanessa Lehr, Jennifer Marställer, Philipp Jacks, der evangelische Stadtdekan Achim Knecht, der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz, in der Mitte OB Peter Feldmann Foto: Rolf Oeser

Die Botschaft „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“ sendet das Römerbergbündnis, ein Zusammenschluss von leitenden Personen des örtlichen DGB, der Jüdischen Gemeinde, der katholischen Kirche, der evangelischen Kirche und des Frankfurter Jugendrings, in der Endphase des hessischen Landtagswahlkampfes von Frankfurter Brücken. An der Ignatz-Bubis-Brücke, der Flößerbrücke, dem Holbeinsteg und der Friedensbrücke hängen Banner mit diesem Aufruf, der als Signal gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus gedacht ist. Postkarten, Aufkleber und Plakate gehören ebenfalls zu der Kampagne. Das in den siebziger Jahren gegründete Bündnis tritt punktuell in Frankfurt an die Öffentlichkeit, wenn es Gefahr von Rechts sieht. Zuletzt machte es 2015 gegen Pegida mobil.

Jennifer Marställer, Direktorin der Jüdischen Gemeinde, sagte heute bei der Vorstellung der Kampagne, es gehe darum, das Bewusstsein zu schärfen, „dass die anstehende Landtagswahl auch darüber entscheidet, ob Werte wie Toleranz, Menschenwürde, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und ein soziales Miteinander sich gegenüber dumpfer Fremdenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Ausgrenzung und jeglicher Form von Extremismus durchsetzen“. Mit Schrecken sei in der Jüdischen Gemeinde in den vergangenen zwei Jahren der Zuwachs an antisemitischen Anwürfen in mündlicher oder auch schriftlicher Form verzeichnet worden, berichtete Marställer. Sie oder auch Vanessa Lehr, die Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings, appellierten nachdrücklich, wählen zu gehen und sich dem Druck von Rechts entgegenzustellen.

Philipp Jacks, der DGB-Geschäftsführer für Frankfurt und Rhein-Main, sagte, mit Sorge sehe er, die gewachsene Zahl an Leuten, „die dieser Lügenbewegung nachlaufen“. Auch im politischen Diskurs gehe es darum, „dass man miteinander redet und nicht gegeneinander arbeitet“. Johannes zu Eltz, der katholische Stadtdekan, erläuterte, es gehe bei dem Begriff „buntgemustert“ nicht um den Wunsch nach einer Parteienlandschaft, die einem Flickenteppich ähnelt, vielmehr müssten auch Parteien interne Debatten aushalten und bereit sein, Vielfalt zu vereinen. Die katholische Kirche sei da auch in einem Lernprozess, die Bereitschaft zur Selbstreflektion gehöre zu solch einem Statement wie „buntgemustert statt kleinkariert“. Gut stehe es der Kampagne an, dass sie ihre Botschaften von Brücken aus sendet, so zu Eltz. Brücken zu bauen, darum gehe es im gesellschaftlichen und politischen Terrain.

Nach der NS-Zeit habe die Gültigkeit der Menschenrechte für alle lange in unserer Gesellschaft als selbstverständlich gegolten, dieser Grundkonsens werde brüchig, äußerte der evangelische Stadtdekan Achim Knecht im Rahmen der Pressekonferenz. „Die AfD erweckt den Anschein, diese Grundlage eines demokratischen Deutschland zunehmend in Wort und Tat aufzukündigen“, so der Theologe. Er verwies darauf, dass Jesus die Menschen aufgerufen habe, für gegenseitige Achtung und Barmherzigkeit zu stehen. In diesem Sinne könne „Abschottung“ keine Position für Christinnen und Christen sein.

Vanessa Lehr vom Jugendring sagte, nicht nur die AfD auch andere am rechten Spektrum verträten eine Politik, die die Angst vor Fremden schüre. Klar stellte sie, dass Rassismus eine Haltung sei, die unter den aktuell 28 Verbänden des Jugendrings keine Chance haben dürfe. Für Kinder und Jugend scheine sich die AfD ohnehin nicht zu interessieren, merkte Lehr an, zumindest finde sich in deren Programm nichts zu dem Thema.

Unterstützt wurde das Engagement des Römerbergbündnisses vom Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann. In einem Grußwort sagte das Stadtoberhaupt vor der Pressekonferenz, er stehe auch dafür, dass Antisemitismus, Islamophobie oder auch Homophobie in Frankfurt keine Chance bekommen. Spontan habe er zugesagt, dass auch an der sogenannten Seufzerbrücke, der Verbindung zwischen Römer und Kämmerei, ein Banner des Bündnisses mit der Aufschrift „Hessen wählt buntgemustert statt kleinkariert“ hängen darf. Zuwanderung und Vielfalt, das habe es schon zu den Zeiten, als der Limes die Grenze bildete, in der Region gegeben. Mit dem Eintreten für Vielfalt „gehe es ein Stück darum, unsere Stadt zu schützen“.

Stellungnahmen der Beteiligten zu der Aktion zum Nachlesen: hier


Autorin

Bettina Behler 35 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt

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