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Ein neues Duo für die BachVespern

Clemens Bosselmann übernimmt erstmals die Leitung der Frankfurt-Wiesbadener Kantatenreihe. In Zukunft gestaltet er sie zusammen mit Michael Graf Münster.

Links Clemens Bosselmann, Propsteikantor Süd-Nassau, rechts Michael Graf Münster, Kantor Sankt Katharinen  |  Fotograf: Rolf Oeser
Links Clemens Bosselmann, Propsteikantor Süd-Nassau, rechts Michael Graf Münster, Kantor Sankt Katharinen | Fotograf: Rolf Oeser

Von „Plisch und Plum“ – frei nach Wilhelm Busch war schon mal die Rede, wenn es um die beiden Kirchenmusiker ging, die die BachVespern Frankfurt-Wiesbaden begründeten: Michael Graf Münster am Main und Martin Lutz am Rhein. Abwechselnd dirigierend unternahmen sie das Projekt der Aufführung aller Kirchenkantaten Bachs. Der Wiesbaden-Schiersteiner Lutz ging Ende 2017 nach 45 Jahren im Dienst in der hessischen Landeshauptstadt in Pension, sein Nachfolger ist der 1985 in Dresden geborene Clemens Bosselmann. Am Samstag, 5. Mai, führt der junge Kirchenmusiker in der Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache zum ersten Mal Regie.    

Graf Münster, Jahrgang 1957, und Bosselmann trennt eine Generation – und dennoch: beim Gespräch spielen sich die zwei die Bälle zu. Bosselmann, flinke blaue Augen, Kinnbart, dunkler Sweater, sagt von sich: „Ich bin sehr anschlussfähig“. Und wenn er zurückgelehnt äußert, „ich habe kein Problem, in Fußstapfen zu treten“, so klingt das überzeugend. Bosselmann hat einen eigenen Kopf, das wird rasch deutlich. Die BachVesper Anfang Mai ist die 137., 200 sollen es insgesamt werden, für die 150. hat der junge Kirchenmusiker schon eine Idee. Der Kantor bringt sich ein, hat Vorschläge im Kopf – und gute Erfahrungen damit gemacht, sie zu äußern: Jetzt im Austausch mit seinem Kollegen Graf Münster, in der Kindheit daheim. Seine Eltern waren konfessionell nicht gebunden, „waren aber spirituell interessiert und sehr tolerant“ – und sie haben sein Talent erkannt und den Sohn gefördert.

Angefangen hat es mit dem Kinderchor in der ersten Klasse, die Blockflöte kam hinzu, später nahm Clemens Bosselmann Klavierunterricht. Jahren im renommierten Dresdner Kreuzchor und dem Zivildienst folgte ein Kirchenmusikstudium in Freiburg im Breisgau. Dirigieren und Musiktheorie wählte er dort als Schwerpunkte. In Dresden war Bosselmann schon Stipendiat, im Studium förderte die Studienstiftung des Deutschen Volkes den jungen Musiker. Das erzählt der 33-Jährige nicht im Gespräch, ist aber in früheren Presseveröffentlichungen nachzulesen.

Gerne berichtet er jedoch von den verschiedenen Professoren, die ihn ausbildeten. „Ich hatte das Glück, exzellente Lehrer zu haben.“ Von 2012 bis 2017 verdiente er sich als Kantor und Kreiskantor für den Kirchenkreis Naumburg-Zeitz erste berufliche Sporen. Ein „säkulares Gebiet“ habe er da beackern müssen, „man braucht ein dickes Fell“, schildert Bosselmann. Aber es hat ihm große Freude gemacht, die Leute seien durchaus an Kirchenmusik interessiert gewesen, über die Klänge hätten auch einige Zugang zum Glauben gefunden.

250 Zuhörerinnen und Zuhörer, das war in Sachsen-Anhalt bei den Großkonzerten viel. In der Wiesbadener Marktkirche im Herzen der Stadt hat Bosselmann in diesem Frühjahr vor einem deutlich größeren Publikum Bachs Matthäuspassion aufgeführt. Bach, „darüber geht nichts“, sagt der neue Propsteikantor mit Sitz in Wiesbaden. Für Plattitüden habe er nichts übrig, aber Geist und Seele, Theologie im allgemeinen und Luther im Besonderen, all das stecke in den Stücken des Komponisten, begeistert er sich. Nicht nur Brahms und Schubert, auch Jazz und Pop schöpften aus dem Fundus des großen Komponisten des Protestantismus.

Genregrenzen sind für Bosselmann keine Hürden, bei Reinhard Mey kommt er schon mal ins Schwärmen. In kirchlichen Räumen kann er sich vieles vorstellen. Privat hört der Kantor beim Putzen auch mal Radiosound, im Auto Deutschlandfunk, „ich will ja informiert sein“. Lesen von Shakespeare über Fallada, hin zum populären Fantasy-Autor Terry Pratchett zählt der Kirchenmusiker neben dem wöchentlichen Volleyballspiel zu seinen Hobbys. Sein Zeitkorsett dürfte eng geschnürt sein, mit seiner Frau, einer Erzieherin, dem acht Jahre alten Sohn und der zweijährigen Tochter ist Bosselmann nach Hessen gezogen.

Die Marktkirche im Herzen Wiesbadens, die Katharinenkirche im Zentrum Frankfurt, sie gefallen ihm, über die Schiersteiner Christophoruskirche, in Nachfolge von Lutz sein Stammsitz, sagt er: „Sie ist meine Heimat.“ Man merkt, Clemens Bosselmann ist angekommen an seinem neuen Wirkens- und Lebensmittelpunkt. Und freut sich auf den Start als einer der beiden Leiter der BachVespern.

Samstag, 5. Mai 2018, BachVesper: Gesprächskonzert und Abendgottesdienst, 17.30 Uhr, Sankt Katharinenkirche, An der Hauptwache, Innenstadt. Dieses Mal im Zentrum die Kantate: „Wer da gläubet und getauft wird“ BWV 37.

Mit: Vokalsolisten, Mitgliedern der Schiersteiner Kantorei, Bach-Collegium Frankfurt-Wiesbaden, Clemens Bosselmann, Leitung, Martin Lücker, Orgel, Liturgie und Predigt verantwortet der Propst für Rhein-Main Oliver Albrecht

Eintritt frei

Sonntag, 6. Mai 2018, 16.30 Uhr, Marktkirche, Wiesbaden, mit dem selben Musikprogramm und den entsprechenden Ausführenden, die Liturgie liegt gleichfalls beim Propst für Rhein-Main Oliver Albrecht, Orgel spielt Thomas Frank.


Autorin

Bettina Behler 31 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt

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