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"Für die Menschen jetzt da sein und die Zukunft planen"

Das Frankfurter evangelische Kirchenparlament hat sich bei seiner Sitzung am 8. Februar mit  dem Rückgang der Pfarrstellen bis 2024, der Krankenhausseelsorge und der Bahnhofsmission befasst. 

Das evangelische Kirchenparlament Frankfurts tagte im Dominikanerkloster.
Das evangelische Kirchenparlament Frankfurts tagte im Dominikanerkloster.

Über einen absehbaren Rückgang der Pfarrstellen in Frankfurt und Offenbach um knapp 7 Prozent hat Stadtdekan Achim Knecht die Delegierten die Delegierten der Evangelischen Stadtsynode und Regionalversammlung informiert. „Wir müssen uns im zukünftigen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach bis zum 31. Dezember 2024 auf eine Kürzung der Zuweisung von 4,50 Pfarrstellen im Gemeindepfarrdienst und 1,75 Stellen im regionalen Pfarrdienst einstellen.“ Dies ergebe sich aus einem Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vom November 2017.

Reaktion auf Rückgang von Gemeindemitgliedern und Pfarrnachwuchs

Zum einen liege das an dem Rückgang der Gemeindemitglieder: Die Zahl der Evangelischen nahm in der EKHN zwischen 2010 und 2016 durchschnittlich jedes Jahr um 1,4 Prozent ab. In Frankfurt wurden in dem Zeitraum jährlich etwa ein Prozent weniger Evangelische verzeichnet, „leider mit zunehmender Tendenz, denn im Jahr 2016 haben wir in Frankfurt 1,9 Prozent unserer Mitglieder verloren“, so Knecht vor dem Parlament. 

Neben der Mitgliederentwicklung sei der fehlende Pfarrnachwuchs ein Grund für die Planungen. Prodekan Holger Kamlah, zuständig für Frankfurt Nord-West, sagte, dass in einigen Regionen der Landeskirche ein Drittel der Stellen nicht besetzt werden könne. Im Vergleich habe es die Metropole Frankfurt noch gut. Prodekanin Ursula Schoen, zuständig für Frankfurt Süd-Ost, zeigte sich offen für den Vorschlag, zu prüfen, ob Pfarrerinnen und Pfarrer aus Migrationsgemeinden, so sie die Voraussetzungen erfüllen, auch in Frankfurter Gemeinden wechseln können.

Gegenwärtig verfügt das Stadtdekanat Frankfurt über 62,5 gemeindliche Pfarrstellen und 16,75 Stellen im regionalen Pfarrdienst, im Dekanat Offenbach sind 11 Gemeindepfarrstellen und 2 regionale vorhanden. Mitte der zwanziger Jahre soll es dann in beiden Städten zusammen noch 69 gemeindliche und 17 regionale Pfarrstellen geben. 

Eine Entlastungsmöglichkeit berge das veränderte Pfarrstellenrecht, sagte Knecht. Es sieht vor, Pfarrstellen nicht nur in einer Gemeinde anzusiedeln, sondern auf Antrag auch regionale Kooperationsräume zu erschließen. Außerdem plane die EKHN, die Mittel für Verwaltungskräfte aufzustocken, was Pfarrerinnen und Pfarrer von geschäftsführenden Aufgaben entlaste.

Krankenhausseelsorge: Zuhören und die Kraft stärken

Ein weiteres Thema, mit dem sich die Stadtsynode beschäftigte, waren Berichte aus der Krankenhausseelsorge und der Bahnhofsmission. Evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorge gibt es zurzeit auf 12,75 Stellen in zusammen sieben Frankfurter Kliniken: dem Bethanienkrankenhaus, der BGU Unfallklinik, im Hospital zum Heiligen Geist, im Klinikum Höchst, im Krankenhaus Nordwest sowie in der Uniklinik. 164.500 Patientinnen und Patienten nehmen diese Kliniken pro Jahr auf, dazu kommen Angehörige und 10.500 Mitarbeitende, für die die die Seelsorgerinnen und Seelsorger ebenfalls ansprechbar sind. 

Fünf Pfarrerinnen und Pfarrer stellten den Mitgliedern der Synode ihre Arbeit vor. Als zentrale Aufgabe definierten sie: „Die Kraft zum Menschsein stärken“. Zuhören gehöre zu ihren primären Aufgaben, außerdem feiern sie Krankenabendmahle, halten Gottesdienste, bieten Personalfortbildung und Begleitung von Ehrenamtlichen an. 

Über die Arbeit der ökumenisch geführten Bahnhofsmission informierte deren Leiter, Diakon Carsten Baumann. Die Anlaufstelle am Gleis 1 des Hauptbahnhofs hatte im Jahr 2017 rund 145.000 Kontakte, einschließlich Tür- und Telefonbegegnungen. Rund 250 bis 300 Menschen kommen Bauman zufolge täglich in die Bahnhofsmission, rund 80.000 Getränke seien im Jahr ausgeschenkt worden. Die Kontakte seien ganz unterschiedlich, vom Suchtkranken, der sich einen Kaffee holt, bis zur gehbehinderten Dame, die beim Umsteigen unterstützt wird.

Stefan Majer, Mitglied im Vorstand der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main und Frankfurter Stadtrat für Personal und Gesundheit, sagte, die Bahnhofsmission stehe dafür, zu zeigen, dass Menschen, die "mit Untiefen kämpfen, die am Rande der Gesellschaft leben, nicht einfach aus dem öffentlichen Bild verschwinden sollen". 


Autorin

Bettina Behler 29 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt