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Fokus auf die Jugend: Was der Rat der Religionen in Frankfurt 2018 vorhat

Frankfurt war eine der ersten Städte, die einen „Rat der Religionen“ eingerichtet haben, inzwischen gibt es rund 25 solcher Räte in ganz Deutschland. Im September werden sie sich in Frankfurt erstmals zu einem Bundeskongress treffen. Über dieses und andere Vorhaben informierte der Rat der Religionen bei einer Jahrespressekonferenz.

Friedensgebet des Frankfurter Rates der Religonen. Foto: Philip Eichler.
Friedensgebet des Frankfurter Rates der Religonen. Foto: Philip Eichler.

Den ersten Bundeskongress aller Räte der Religionen wird der Frankfurter Rat in Zusammenarbeit mit dem hannoveranischen im September ausrichten. 50 bis 70 Teilnehmende werden dazu erwartet. Auf der Agenda des Kongresses stehe, sich kennenzulernen und sich gegenseitig „Best Practice“ Beispiele vorzustellen, sagte Joachim Valentin, Vorsitzender des Frankfurter Rates und Direktor des katholischen Zentrums Haus am Dom, bei der Jahrespressekonferenz vorige Woche. Das gemeinsame Ziel aller Räte der Religionen sei es, Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenzubringen und die Normalität von Religion sowie die stärkende Funktion von Religiosität jeweils vor Ort sichtbar zu machen.

Der Frankfurter Rat der Religionen verfolge dieses Ziel zum Beispiel durch einen „Tag der Religionen“, der 2017 zum ersten Mal organisiert wurde und mit tausend Besucherinnen und Besuchern auf großes Interesse in der Bevölkerung stieß. Auch dieses Jahr wird es einen Tag der Religionen in Frankfurt geben, und zwar am Sonntag, 2. September, er findet wieder in den Römerhallen statt. Das Thema lautet „Schönheit in den Religionen“.

Ansonsten soll in diesem Jahr der inhaltliche Fokus des Rates der Religionen auf der Jugend liegen. Geplant ist der Aufbau eines „jungen“ Rates, in dem Schülerinnen und Schüler den respektvollen Dialog einüben können. Außerdem sollen Strukturen für eine muslimische Jugendarbeit aufgebaut werden. Dafür müssten auch staatliche Gelder fließen, die Gemeinden seien damit überfordert, so Valentin. Eine solche Jugendarbeit sei nicht Gewaltprävention, sondern Kulturarbeit: „Wenn die Bürgerrechte für alle voll ausgeschöpft werden, ist Prävention nicht nötig.“

Weitergeführt werde zudem das Projekt „Kaum zu glauben“ in Zusammenarbeit mit der Bildungsstätte Anne Frank. Es wird auch dieses Jahr mit 40.000 Euro vom hessischen Kultusministerium finanziert und bietet für Lehrkräfte Workshops zur Sensibilisierung im Umgang mit Religionen an, außerdem Workshops für Schülerinnen und Schüler, bei denen sie lernen, ihre eigene religiöse Identität zu reflektieren. Seit Projektbeginn im Jahr 2013 seien über 12.000 Kinder und Jugendliche sowie über 9000 Lehrkräfte mit dem Projekt erreicht worden.

Neu ist die Ausbildung von so genannten „Integrationsführerinnen und -führern“. 20 bis 30 Geistlichen oder Seelsorgerinnen aus Religionsgemeinschaften mit migrantischem Hintergrund will der Rat damit die die Möglichkeit bieten, Wissen über Deutschland zu erwerben: Recht, Politik, Sozialstrukturen und Stadtgesellschaft stehen auf dem Programm.

Außerdem wird 2018 ein Bildband über „Frankfurter Religionen“ von Rafael Herlich erscheinen. Die entsprechende Foto-Ausstellung wird am 1. November im Haus am Dom eröffnet und ist anschließend als Wanderausstellung verfügbar.

Der Frankfurter „Rat der Religionen“ hat 23 Mitglieder, fünf davon sind christlich. Neun verschiedene Religionsgemeinschaften sind vertreten. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Geschäftsführerin ist seit Juli 2016 die konfessionslose Sarah Wohl. Seit Juni 2017 ist auch die Jüdische Gemeinde wieder in den Rat zurückgekehrt. Sie hatte ihn 2014 verlassen, um gegen antisemitische und israelfeindliche Äußerungen von muslimischen Mitgliedern des Rates im Zusammenhang mit dem Gaza Konflikt zu protestieren. 


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

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