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Wenn der Hass regiert – Rechtspopulismus geht uns alle an

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Der Erziehungswissenschaftler und Rechtsextremismusexperte Benno Hafeneger ist am Donnerstag, 11. Oktober, in der Andreasgemeinde, Kirchhainer Straße 2, Eschersheim, zu Gast. Am Montag, 15. Oktober, hält er im Rahmen einer Veranstaltung des Landesausländerbeirats im Dominikanerkloster einen Vortrag zu dem Thema.

Prof. Dr. Hafeneger sieht bei der Kirche die Verantwortung, dem Rechtspopulismus Kontra zu bieten.
Prof. Dr. Hafeneger sieht bei der Kirche die Verantwortung, dem Rechtspopulismus Kontra zu bieten.

Benno Hafeneger studierte Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Universität Frankfurt am Main. Danach war er Jugendbildungsreferent beim Hessischen Jugendring und anschließend Professor an der FH Fulda. Seit 1994 ist er Professor für Erziehungswissenschaften - außerschulische Jugendbildung an der Universität Marburg. Innerhalb weniger Tage erläutert er bei zwei Veranstaltungen in Frankfurt seine Sicht auf Rechtspopulismus und Rechtsextremismus: am 11. Oktober in der Andreasgemeinde, am 15. Oktober hält er im Dominikankerkloster bei einer Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung und des Landesausländerbeirats einen Vortrag (Programmflyer).

Im Interview mit Pfarrerin Sabine Fröhlich von der Evangelischen Andreasgemeinde und dem evangelischen Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung in Frankfurt, Gunter Volz, erläutert er, warum sich auch die Kirche mit dem Rechtspopulismus auseinandersetzen muss.

Warum wählen Menschen in Deutschland die AfD?
Es gibt viele Gründe, zu denen vor allem die sozialen Folgen der Globalisierung und Digitalisierung gehören. Zu denen gehören Bedrohungsgefühle, Unsicherheiten und Abstiegsängste sowie in Teilen der Bevölkerung das Gefühl von der Politik mit ihren Sorgen und Problemen nicht wahr- und ernstgenommen; sie fühlen sich nicht (mehr) vertreten. Das gilt aber auch Erfahrungen im sozialen Nahraum – im Stadtteil, im Wohnbezirk – und dabei geht es z. B. um bezahlbaren Wohnraum und generell die Infrastruktur und Lebensqualität. Entfremdung von der Politik und Enttäuschungserfahrungen führen dann bei vielen Menschen dazu, entweder nicht mehr wählen zu gehen oder Protest zu wählen. Aber es ist nicht nur Protest; es gibt in der Gesellschaft ein wiederholt gemessenes Einstellungspotential, das aus Gesinnung und wiederholt rechtspopulistisch oder -extrem wählt. Die AfD wird aus allen Bevölkerungsgruppen gewählt, dabei sind es – so einige Merkmale - vor allem vorherige Nichtwähler, die mittleren Jahrgänge, Männer mit eher überdurchschnittlichem Einkommen. Dann sind es vor allem auch Arbeiter, Arbeitslose und Bewohner aus sozial abgehängten und schlechter gestellten Quartieren.

Ist der Rechtspopulismus eine soziale, kulturelle oder eine politische Bewegung?
Auch mit Blick in andere europäische Länder ist der Rechtspopulismus – bei allen nationalen Unterschieden - generell mit allen drei Dimensionen verbunden. In der Diktion des autoritären rechten Populismus geht es sozial um die angeblichen Interessen der „Einheimischen“, gegen „die da oben“ und gegen „die Fremden“; kulturell geht es um Vorstellungen einer „ethnisch-homogenen Identität“, gegen die angebliche „Enteignung“ und „Überfremdung“ des „deutschen Volkes“; politisch geht es auf der Straße und in Parlamenten um Stimmungen gegen die Demokratie, die Eliten und Medien. Ideologischer Kern des Rechtspopulismus ist, andere Menschen und Gruppen aufgrund von zugeschriebenen Merkmalen und Verhaltensweisen abzuwerten, auszugrenzen als nicht-zugehörig zu diffamieren. Dieser kulturelle Rassismus ist verbunden mit einer Sprache, die an völkisches Gedankengut anknüpft.

Warum sollten sich Kirchen mit dem Rechtspopulismus auseinandersetzen?
Es sind vor allem zwei Gründe: Einmal sind die Kirchen ein wesentlicher Bestandteil der Zivilgesellschaft und damit Träger von Demokratie und Rechtsstaat sowie der Kultur des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Dann geht es um das Menschenbild und um Menschenrechte, nach denen alle Menschen gleich sind und ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben. Die Kirche ist eingebunden in den „Kampf um die Zukunft“. Dabei bietet die populistische Rechte das Narrativ einer „nationalen Identität“ und eines autoritären, harten und ausgrenzenden Staates an; das Gegenbild ist die menschrechtlich und rechtsstaatlich verfasste Demokratie und eine liberale und offene Gesellschaft, die von Anerkennung, Toleranz und Humanität getragen ist. Hier sind die Kirchen relevante und einmischende gesellschaftliche Stichwort- und Sinngeber. Sie ermöglichen weiter in ihren Zuständigkeiten und Bereichen – ob Gemeindeleben, Kindergarten, Jugend- und Erwachsenenbildung – erlebte Erfahrungen von gelingendem Zusammenleben und aufklärender Auseinandersetzung mit Menschen- und Demokratiefeindlichkeit.

Was sind Ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Thema in den Foren, in die Sie zu Vortrag und Gespräch eingeladen werden?
Es gibt viele Anfragen und ein großes Interesse sich mit dem Thema zu beschäftigen; das gilt für u. a. Schulen, Ausländerbeiräte und Jugendverbände. Viele Menschen sind besorgt und auf Suche nach (Auf-)Klärung und Antworten für die rechtspopulistische Entwicklung und die Wahlerfolge der AfD. In offenen Veranstaltungen habe ich in den letzten Monaten mehrfach die Teilnahme von bekennenden AfD´lern in zweierlei Richtung erlebt. Sie sind eher moderat und fragend oder lautstark, beschimpfend und aggressiv - und immer geht es um ihren Themenkern und ihre Deutungswelt von „Flucht, Migration, Asyl“. Hier ist die neue Herausforderung der politischen Kultur, die Argumente der AfD mit ihren Logiken zu entlarven, selbstbewusst die Auseinandersetzung anzunehmen und deutlich Grenzen zu markieren.

Mehr von Professor Hafeneger findet sich auch in seinem aktuellen Buch "AfD in Parlamenten. Themen, Strategien, Akteure" (Benno Hafeneger/Hanna Jestädt/Lisa-Maria Klose/Philine Lewek, Frankfurt am Main 2018).


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