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Der Papst und die Utopie einer besseren Welt

Wim Wenders hat einen Film über Papst Franziskus gedreht. In den Feuilletons wird er als Kitsch und Propaganda eingestuft. Zu Recht? Unsere Redakteurin Angela Wolf hat ihn sich angeschaut.

Filmplakat für Wim Wenders' Dokumentation über Papst Franziskus.
Filmplakat für Wim Wenders' Dokumentation über Papst Franziskus.

Noch lange saßen viele nach Ende des Filmes im Kino und blickten nachdenklich in den flimmernden Abspann. „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ wird im Feuilleton zerrissen. Die technische Brillanz des Portraitfilmers Wim Wenders steht dabei natürlich nicht im Geringsten zur Debatte. Es ist das naiv und einseitig gezeichnete Bild des charismatischen Papstes, der wie ein netter Opa daher kommt und die Probleme unserer Tage klar und ohne Umschweife beim Namen nennt, was Zweifel auf den Plan ruft. Und dies nicht ganz zu Unrecht. 

Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus 2013 ist wenig passiert. Seine zweite Enzyklika  „Laudato si‘“ ist ein Manifest des Umwelt- und Naturschutzes – Pflichtprogramm für die Entscheider und Lenker der politischen Eliten. Aber die tatsächlich ernste Lage unseres Planeten haben die wenigsten begriffen. Und gerade erst hat Franziskus mit seinen Verdikten gegen mehr Ökumene beim Abendmahl und gegen die Lockerung der strikten Abtreibungsverbote in Argentinien und Irland die Hoffnung enttäuscht, dass er wirklich einen liberaleren Wind in den Vatikan bringt.

Bei aller berechtigten Häme muss aber auch gesagt werden: Der Film bewegt, macht nachdenklich, wütend, traurig und garantiert ein Tränchen im Knopfloch. In der Tat kann Papst Franziskus die Dinge beim Namen nennen, ohne dabei fürchten zu müssen, am Ende einer Legislaturperiode nicht wieder gewählt zu werden. Und das nutzt er. Geschickt, mit gutem Sinn für zeitgemäße PR und einem herausragenden Händchen für ruhmreiche Regisseure. 

Einfach nur opportunistisch ist er bestimmt nicht. Man glaubt, dass es ihm um die Sache geht. Er ruft zum Widerstand auf bei Dingen, die ihm wichtig sind. Solche Menschen braucht es: Außerparlamentarische Opposition die uns alle draufschubst, auf die menschlichen Defizite, auf überbordende, narzisstisch eingefärbte Machtansprüche, auf durchgeknallte Religionsfanatiker, auf unangebrachten Fremdenhass, auf ein Leben auf der Überholspur, darauf, dass wir jeden Tag ein bisschen sterben und irgendwann tot sein werden. 

Wir sollten das Leben genießen. Unsere Zeit nutzen, um die Dinge – zumindest im Kleinen – zum Guten zu wenden. Allein schon für diese Erkenntnis ist der Film gut. Am Ende hätte ich gerne geklatscht, konnte mich aber zurückhalten. Ich wollte die anderen Zuschauer und Zuschauerinnen nicht aus ihren Gedanken reißen. Sie könnten ja Steine des Anstoßes für Sinnvolles sein.


Autorin

Angela Wolf 24 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.