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Handreichung für Ankommende

Matthias Arnings „Frankfurt für Anfänger“ beschreibt eine Liebe auf den zweiten Blick.

Matthias Arning: Frankfurt für Anfänger. Edition Frankfurter Ansichten, Frankfurt 2018, 220 Seiten, 18,90 Euro.
Matthias Arning: Frankfurt für Anfänger. Edition Frankfurter Ansichten, Frankfurt 2018, 220 Seiten, 18,90 Euro.

Vielleicht gibt es keine andere deutsche Großstadt, in der Menschen, wenn es sie dorthin verschlägt, mehrheitlich denken: „Es ist ja nur für eine kurze Zeit.“ Und vielleicht gibt es auch keine andere, in der die Leute ein paar Wochen, Monate oder Jahre später merken: „Ups, ich habe mich wohl verliebt.“ 

Der Frankfurter Journalist und Autor Matthias Arning hat eine Handreichung für diese Zwischenzeit geschrieben, in der Zugereiste versuchen, mit der Stadt am Main warm zu werden. „Frankfurt für Anfänger“ hat er das Buch genannt. Es hat den Anspruch, etwas davon zu vermitteln, warum Frankfurterinnen und Frankfurter ihre Stadt Heimat nennen. Trotz aller Macken. Arning nähert sich aus allen Himmelsrichtungen an. 

Natürlich handelt der ehemalige Lokalchef der Frankfurter Rundschau die Basics ab, vor allem die leckeren. Es gibt ja wie überall diese hochwichtigen Konventionen, denn zur Grünen Soße gehören nun mal sieben Kräuter und den Handkäs’ isst man ohne Gabel. Nicht umsonst hieß es schon in den 60er Jahren: Frankfurt, das sei stets ein Ort der Spontis gewesen, nichts für Dogmatiker. „Man muss in dieser Stadt ankommen, Adorno einen Moment lang nachtrauern, am Fleischautomaten im hohen Norden nachts einen Braten erwerben, in der Paulskirche die Demokratie retten und sich im Senckenberg-Museum die Verschiebungen der Erdplatten im Zusammenhang mit der Entstehung der Kontinente erklären lassen“, schreibt Matthias Arning. Danach könne man guten Gewissens behaupten, kein Anfänger mehr zu sein. Zumindest nicht in Frankfurt.

In das Buch kann man immer wieder reinschauen, Kapitel für Kapitel, 56 sind es, die Reihenfolge spielt keine Rolle. Eine echte Entdeckungsreise, zum Beispiel zu Arthur Schopenhauer auf dem Hauptfriedhof, zum „Ich-Denkmal“ am Main und zur Abenddämmerung über dem Lohrberg. 

Ein Highlight sind auch die geglückten, zurückhaltenden Illustrationen von Eva Feuchter, die gerade ihr Kommunikationsdesignstudium in Mainz abgeschlossen hat. Als Pfälzerin, sagt sie, habe sie sich während des Buchprojekts erst vorsichtig, dann intensiv an Frankfurt angenähert. Anfängerin ist auch sie nun keine mehr.


Autorin

Anne Lemhöfer 24 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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