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Zwischen 1940 und heute in Marseille

„Transit“ ist die sehenswerte Verfilmung von Anna Seghers gleichnamigem Roman.

Der Flüchtling Georg gibt sich für einen Dichter aus, der nach Mexiko eingeladen wurde, und dessen Pass ihm aus Zufall in die Hände fiel. | Foto: Filmpresskit
Der Flüchtling Georg gibt sich für einen Dichter aus, der nach Mexiko eingeladen wurde, und dessen Pass ihm aus Zufall in die Hände fiel. | Foto: Filmpresskit

Die Figuren sind aus den 1940ern, tippen auf Schreibmaschinen und sind gekleidet wie damals, haben keine Smartphones und sprechen altmodisch. Doch sie bewegen sich im Heute, mit Polizei, modernen Autos und einem kleinen Jungen, der Fan von Borussia Dortmund ist.

Die Grundidee für Christian Petzolds Verfilmung von Anna Seghers Roman „Transit“ ist originell. Und sie funktioniert. Erzählt wird die Geschichte von Georg, der vor den Nazis von Paris nach Marseille flieht und versucht, auf ein Schiff nach Mexiko zu kommen. In Marseille trifft er viele andere Flüchtlinge, die genau wie er bürokratische Hürden überwinden müssen, um die notwendigen Papiere zu bekommen. Und er verliebt sich. Politische Entwicklungen und persönliche Wünsche verweben sich, die Menschen sind allein und doch gemeinsam ausgeliefert.

Die Erzählweise sorgt dafür, dass die geschichtliche Distanz von Seghers Geschichte zu ihrem Recht kommt, man aber gleichzeitig daran erinnert wird, dass vieles von den hier erzählten Dynamiken weiterhin aktuell ist. Ab 5. April im Kino.


Autorin

Antje Schrupp 256 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com