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Gemeinschaft, Spiritualität und Debatte im Europaviertel

Vor zehn Monaten hat das von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam getragene Nachbarschaftszentrum „Pax & People“ in der Pariser Straße die Arbeit aufgenommen. Unsere Autorin war dort und hat sich angeschaut, wie es läuft und was dort passiert.

Begegnung im Zentrum Ökumenischen Nachbarschaftszentrum Pax & People in der Pariser Straße 6-8 im Europaviertel. Rechts Pfarrerin Katja Föhrenbach. Foto: Doris Stickler
Begegnung im Zentrum Ökumenischen Nachbarschaftszentrum Pax & People in der Pariser Straße 6-8 im Europaviertel. Rechts Pfarrerin Katja Föhrenbach. Foto: Doris Stickler

Wenn die Arbeit nicht dazwischenfunkt, verbringt Ghazaleh ihre Dienstagsabende bei „Pax & People“. Vor zweieinhalb Jahren aus dem Iran geflohen und kurze Zeit später getauft, hat sie in der Kirche im Europaviertel mehr als eine neue Glaubensheimat gefunden. Für die 32-Jährige steht fest: „Hier ist meine Familie.“

Die trifft sie vor allem bei der Veranstaltung „1viertel/3viertel“, wo in dem für Andachten und Meditationen genutzten „Lichtraum“ zuerst ein viertelstündiger Impuls zu ethischen, politischen oder biblischen Themen auf der Tagesordnung steht. Hinterher versammeln sich alle bei Wein und Knabbereien am großen Tisch.

Dass die „Stunde zwischen Arbeit und Zuhause“, wie es im Programm heißt, meist 120 Minuten umfasst, wundert kaum. In dem an eine Wohnküche erinnernden Gemeinschaftsraum geht es locker zu, tagt eine gesellige Runde, in der viel gelacht, bisweilen auch kontrovers debattiert wird und sich alle duzen.

André zum Beispiel schätzt es sehr, nach seinem Achtstundentag in der Bank auf andere Gedanken zu kommen. Die Themen seien interessant und kreisten oft auch um theologische Fragen. „Ich habe hier schon die wildesten Gespräche erlebt und viele Anregungen erhalten“, sagt der 41-Jährige. Ihm gefalle zudem, dass die meisten hier auch Persönliches teilen: Ghazaleh erzählt von ihrem ersten Arbeitstag, Xiaolan von den unterschiedlichen Email-Gepflogenheiten in China und Deutschland, Annette von ihrer Auszeit im Kloster. „Es ist wie ein Jugendclub für Erwachsene“, sagt sie. Hier wachse Gemeinschaft, die im Europaviertel sonst weitgehend fehle.

Tatsächlich soll das im Januar eröffnete „Pax & People“ in der Pariser Straße 6-8 eine Art Nachbarschaftszentrum sein, in dem sich Menschen begegnen, austauschen und kennenlernen können, Ideen für das Viertel entwickeln und spirituelle Denkanstöße erhalten, sagt Pfarrerin Katja Föhrenbach, die das Zentrum gemeinsam mit Pastoralreferent Harald Stuntebeck leitet.

„Am besten angenommen wird das gemeinsame Kochen sowie 1viertel/3viertel“, bilanziert Föhrenbach. Aber auch außerhalb von Veranstaltungen gebe es spannende Begegnungen - „Pax & People“ ist an Wochentagen von 8.30 bis 12 Uhr unter dem Motto „Open Space – einfach mal reinschauen“ geöffnet. Manchmal kämen da Leute herein, um zu sehen, was es hier gibt, andere, um ihr Herz auszuschütten oder weil sie seelsorglichen Beistand suchen. „Es kommen auch Leute die nichts mit Religion anfangen können und trotzdem auf der Suche sind“, sagt die Pfarrerin. „Und wenn niemand kommt, erledige ich Büroarbeit.“

Manchmal kommen Veranstaltungen auch durch passende Gelegenheiten zustande. So war Föhrenbach schon länger aufgefallen, dass sich viele Pax & People-Gäste Gedanken über Umwelt, Klima und Ressourcenvergeudung machen. Dann kam sie zufällig mit Susanne Volz ins Gespräch, die ein paar Stockwerke über dem ökumenischen Zentrum wohnt und Umweltwissenschaftlerin ist – daraus entstand eine kleine Vortragsreihe zur Frage „Nachhaltig leben – wie geht das?“, bei der Volz über Fleischkonsum, Textilien und andere Themen informierte.

Informationen über Veranstaltungen im ökumenischen Zentrum „Pax & People“, Pariser Straße 6-8, sind unter www.paxandpeople.de zu finden, oder auch auf Facebook.


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Doris Stickler 23 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.

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