Gott & Glauben

Feuerwerk fürs Gehirn beim theologischen Science Slam

Wissenschaft ist trocken und langweilig? Nicht beim Science Slam in der Evangelischen Akademie Frankfurt, wo nur gewinnt, wer die eigenen Forschungsergebnisse spannend und unterhaltsam präsentiert.

Ein Thema beim Science Slam war der Kirchenlehrer Laktanz, der in der Antike eine Theorie über Tyrannen entwickelt hat. Hier dargestellt in einer Wandmalerei aus dem 4. Jahrhundert.
Ein Thema beim Science Slam war der Kirchenlehrer Laktanz, der in der Antike eine Theorie über Tyrannen entwickelt hat. Hier dargestellt in einer Wandmalerei aus dem 4. Jahrhundert.

Die Theologie gilt als geachtete Wissenschaft, von der man selten etwas zu sehen bekommt. Sie findet hinter den Mauern von Universitäten und Arbeitszimmern statt. Muss das so sein? Eindeutig nein, das beweist die Evangelische Akademie auf dem Frankfurter Römerberg bereits zum wiederholten Mal. Der Science Slam macht die Theologie zum Event, er feiert die Wissenschaft im Stil eines Poetry Slam.

Das Publikum erlebt dabei einen tiefsinnigen, aufgekratzten, fröhlichen und nachdenklichen Abend – ein Feuerwerk fürs Gehirn, dargeboten von fünf jungen Theologinnen und Theologen, die noch mit einem Fuß in der Universität stehen, zum Beispiel, weil sie gerade promovieren.

Die Regeln sind streng: Aktuelle theologische Forschung muss unterhaltsam in einem jeweils zehnminütigen Vortrag auf die Bühne gebracht werden. Requisiten sind ausdrücklich erlaubt, genauso wie Verweise auf Popkultur und die Welt des Digitalen. Und am Ende wird – wie aus Poetry Slams bekannt – per Akklamation eine Siegerin oder ein Sieger gekürt. Dafür gibt es Plakate mit den Aufschriften „Yeah!“ (3 Punkte), „Jaaa!“ (2 Punkte) und „Jo“ (1 Punkt). Als Belohnung für den Sieg winken ein „Goldener Apfel der theologischen Erkenntnis“ sowie 30 Flaschen Wein.

Kann der lateinische Kirchenlehrer Laktanz, geboren im Jahr 250 nach Christus, auch im Jahr 2018 noch für eine gute Show herhalten? Gianna Zipp, Doktorandin an der Uni Mainz, schafft das Kunststück. Die Frage, die Laktanz („Hat nichts mit Laktoseintoleranz zu tun!“) seinerzeit beschäftigte, ist jedenfalls auch heute noch wichtig: Wie kann man einen Tyrannen erkennen? Tyrannen, so behauptete der Kirchenlehrer, passen sich nicht der römischen Leitkultur an, sie erheben willkürlich das Strafmaß für etliche Delikte, setzen willkürliche Milde als Eigenwerbung ein, glauben nicht an Gott und sind außerdem hässlich („ungestalt“). Klingt amüsant, aber eben auch erschreckend aktuell, vom ungestalten Äußeren vielleicht abgesehen.

Um Vorurteile ging es auch beim Vortrag von Jens Trusheim, der an der Frankfurter Goethe-Universität als Post-Doc der Theologie forscht und zum Begriff der Bedeutsamkeit promovierte. Kurz verwandelte er den Saal ins Studio der Fernsehsendung „Eins, Zwei oder Drei“ – mit den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam als mögliche Felder. Auf welcher Grundlage und aufgrund welcher Vorurteile entscheiden wir uns? Und klar: „Ob du wirklich richtig stehst, merkst du, wenn dein Licht ausgeht!“ Gelächter. „Fluch und Segen religiöser Vorurteile“ hieß Trusheims Vortrag, sein Fazit: „Vorurteile sind nichts Schlimmes, so lange sie hinterfragbar bleiben.“

Jens Trusheim bekam am Ende auch die meisten „Yeah!“-Schilder und ging als Sieger vom Platz. Für alle anderen – ob sie nun über Sherlock Holmes und das Neue Testament forschten, die Gefährlichkeit lesender und schreibender Frauen untersuchten oder das erste Buch Mose als Krimi darstellten – gab es aber ebenfalls Applaus und etwas Wein.

„Ein Abend mit viel Adrenalin“, bilanziert Akademie-Direktor Thorsten Latzel zufrieden. Im kommenden Jahr soll es wieder einen Science Slam geben.


Autorin

Anne Lemhöfer 30 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.