Leben & Alltag

Geländewagen für die Stadt – das Auto, das die Gemüter erregt

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Die geräumigen SUVs sind inzwischen zum Synonym für Umweltsauerei und Konsumwahn geworden. Trotzdem werden sie gekauft wie verrückt: Jeder fünfte Neuwagen ist bereits ein „Sport Utility Vehicle“.

Protzig stehen sie auf Bürgersteigen herum und lassen niemanden durch: Hassobjekt SUV. Foto: Rolf Oeser
Protzig stehen sie auf Bürgersteigen herum und lassen niemanden durch: Hassobjekt SUV. Foto: Rolf Oeser

Falls Sie mal bei einer Party sind und das Gespräch stockt, weil man sich noch nicht besonders gut kennt, Sie aber das Thema Wetter für zu langweilig und das Thema Religion für zu heikel halten: Fragen Sie doch einfach mal in die Runde, was Ihre Mitmenschen von SUVs halten. Ich verspreche Ihnen, Sie haben in Nullkommanix ein feines Streitgespräch angezettelt. Eines, bei dem Sie gleich auch viel über die Lebensgewohnheiten, die Familiensituation und die weltanschauliche Einstellung aller anderen Partygäste erfahren.

Bestimmt findet sich schnell jemand, der ein paar Anekdoten beisteuert, wie Eltern in diesen „Monsterautos“ die Schulwege zuparken, weil ihre verzogenen Gören zu doof sind, um mal zwei Stationen mit der U-Bahn zu fahren. Jemand anderes wird vermutlich einstimmen und erzählen, wie sie kürzlich beobachtet hat, dass ein Kind/ein Hund/eine Oma mitten im Nordend beinahe von einem SUV überfahren wurde, weil man in einem ebensolchen ja gar nicht überblickt, wer sonst noch auf der Straße herumläuft.

Aber vielleicht ist die Party ja auch gar nicht im links-alternativen Nordend, sondern in einem eher konservativ-bürgerlichen Stadtteil, sagen wir dem Westend oder am Riedberg. Dann wird bestimmt jemand die SPD-Umweltministerin Hendricks kritisieren, weil die nämlich „SUVs am liebsten verbieten lassen“ will. Dass sie das höchstens halbironisch meinte, ist keine Entschuldigung. Bei so viel politischer Korrektheit, wird ein anderer einwerfen, lobe man sich ja fast jene amerikanischen Landbewohner, die ihre Spritfresser gern sinnlos in der Gegend herumfahren, um zu demonstrieren, für wie bekloppt sie die Warnungen vor dem Klimawandel halten.

Vielleicht sind Sie aber dem Thema „Auto“ gegenüber auch genauso ignorant wie ich und haben gar keine Meinung dazu. Oder sich höchstens mal darüber gewundert, dass die Parkplätze in den Parkhäusern irgendwie immer enger werden. Für uns hab ich das mal gegoogelt: Die Mode, „Sport Utility Vehicles“ zu fahren, also eine Art straßentauglicher Geländewagen, kam Ende der 1990er Jahre auf. Inzwischen stellen die SUVs in Deutschland bereits mehr als ein Fünftel der Neuzulassungen.

Und was meinen Sie? Sind SUVs „die Pest“, wie kürzlich der WDR kommentierte, oder sind Sie doch eigentlich ganz praktisch? Fahren Sie am Ende selber eins - oder kommt das für Sie auf gar keinen Fall in Frage? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare! 


Autorin

Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt. Foto: Tamara Jung
Antje Schrupp 73 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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