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Evangelische Frauen in Deutschland gegen ein Kopftuchverbot

Für die Religionsfreiheit und das Recht muslimischer Frauen, selbst über die Bedeutung des Kopftuchs zu entscheiden, hat sich der Dachverband der Evangelischen Frauen in Deutschland in einer Stellungnahme ausgesprochen. 

Foto: Thomas Lohnes/epd-Bild
Foto: Thomas Lohnes/epd-Bild

Für das Selbstbestimmungsrecht muslimischer Frauen, ein Kopftuch zu tragen oder nicht, sowie gegen juristische „Kopftuchverbote“ haben sich die Evangelischen Frauen in Deutschland in einer Stellungnahme ausgesprochen. Der bundesweite Dachverband von 39 evangelischen Frauenorganisationen plädiert dafür, auch in einem säkularen Staat die Religionsfreiheit als hohes Gut zu schützen. Das umfasse auch die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit religiöse Kleidung zu tragen. 

Das Tragen des muslimischen Kopftuchs sei als Teil der religiösen und kulturellen Vielfalt in Deutschland zu akzeptieren, heißt es in der Stellungnahme. Wie andere religiöse Symbole auch, etwa ein christliches Kreuz oder eine jüdische Kippa , müsse der Staat das Kopftuch als symbolisches Bekenntnis zu einer religiösen Identität respektieren. Auch wenn es verschiedene Bedeutungen haben könne, liege die Deutungshoheit in einem konkreten Fall immer bei der Trägerin des Kopftuchs selbst. So mag das Kopfuch für Extremistinnen und Extremisten durchaus eine „Flagge des Islamismus“ sein – für alle anderen sei es das aber nicht. Jede einzelne muslimische Frau entscheide selbst, welche Bedeutung es für sie hat, ein Kopftuch zu tragen oder auch keines zu tragen.

Kleidervorschriften, betonen die Evangelischen Frauen, seien schon immer ein bevorzugtes Instrument zur Aufrechterhaltung frauenfeindlicher Strukturen gewesen. „Das eine Patriarchat zieht die Frauen an, das andere zieht sie aus“, zitieren sie die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun. Zur im deutschen Grundgesetz garantierten Freiheit der Entfaltung gehöre daher unverzichtbar das Recht jeder Frau, frei über ihre Kleidung zu entscheiden. Ein kulturelles oder gar gesetzliches Kopftuchverbot sei keine Antwort auf das erzwungene Tragen eines Kopftuchs.

Aus vielfältigen interkulturellen und interreligiösen Projekten hätten gerade evangelische Frauen die Erfahrung gewonnen, dass „es keinen eindeutigen inneren Zusammenhang zwischen der Kleidung und dem Selbstbewusstsein, den Kompetenzen und dem Engagement einer Frau gibt.“

Hier die Stellungnahme im Wortlaut als pdf.


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Antje Schrupp 93 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com