Politik & Welt

Kritik an der Flüchtlingspolitik ist erlaubt – auf Grundlage des Glaubens

Kirchenpräsident Volker Jung und Stadtdekan Johannes zu Eltz haben sich zu der Frage, ob Zweifeln an der Flüchtlingspolitik erlaubt sei, klar christlich positioniert. Kritik und Ängste waren aus dem Publikum zu hören. Eine wichtige und hitzige Debatte, die längst kein Ende fand.

Stellten sich in Frankfurt Kritik und Publikumsfragen zur christlichen Flüchtlingspolitik: Der evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Volker Jung (links) und der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz. Foto: Rolf Oeser
Stellten sich in Frankfurt Kritik und Publikumsfragen zur christlichen Flüchtlingspolitik: Der evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Volker Jung (links) und der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz. Foto: Rolf Oeser

Gut besucht war eine Veranstaltung gestern Abend in der Frankfurter Heiliggeistkirche, bei der die christlichen Kirchen dazu eingeladen hatten, ihre Flüchtlingspolitik zu diskutieren. Das überwiegend ältere Publikum, in der Hauptsache Christinnen und Christen, wurden gebeten, in den offenen Dialog zu treten. Ein Dialog darüber, ob Christen wirklich alle (in der Diskussion ging es dann in der Hauptsache um Muslime) willkommen heißen müssten, und ob es erlaubt ist, auch zu zweifeln und Kritik zu üben.

Der evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau Volker Jung und der katholische Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz standen Rede und Antwort. Mit klaren Positionen: Kritik? Ja, unbedingt. In einer Streitkultur, die auch Leichtigkeit und Humor zulässt und mit im Gepäck hat. Zweifel? Ja, warum nicht? Gesunde und reflektierte Zweifel sind wichtig. Aber bitte immer auf der Grundlage des christlichen Glaubens.

Müssen also Christinnen und Christen alle willkommen heißen? Ja, und zwar ohne Zweifel. In Bezug auf die Haltung gegenüber Flüchtlingen gelte der „Status confessionis“, sagte zu Eltz, es sei eine Bekenntnisfrage. Das heißt: Etwas anderes ist mit dem Christsein nicht vereinbar. „Das Schicksal von Flüchtlingen darf uns nicht egal sein. Eine gelebte Willkommenskultur ist Teil des christlichen Selbstverständnisses.“ Auch Volker Jung gibt es an diesem Punkt keine Zweifel und seine Position ist dieselbe.

Der Ablauf des Abends, welcher an das Frank-Plassberg-Format erinnert, sah viel Raum für eine Beteiligung des Publikums vor. Mit direkten Wortmeldungen, niedergeschriebenen Fragen, die von Anwältinnen des Publikums verlesen wurden oder auch bereits im Vorfeld über Facebook eingereichte Kommentare. Das Bedürfnis, etwas sagen zu wollen, war sehr groß. So groß, dass bei Weitem nicht alle Kritik und Zweifel Gehör finden können.

Das Thema hat Sprengkraft. Die „Kölner Silvesternacht“ wird genannt. Die nicht vorhandene  Gleichberechtigung von Mann und Frau im Islam angeprangert. Eine ablehnende Haltung zur christlichen Kultur angeklagt. Eine Unterwanderung der abendländischen Kultur befürchtet. Ein einseitiger Dialog und Missbrauch der hiesigen Willkommenskultur vermutet. Eine Vernachlässigung von Christen in Not verurteilt und Zweifel an der Neuausrichtung der Gemeinden bekundet.

„Ja, dass alles muss gehört und ernst genommen werden“ meldet sich eine Pfarrerin zu Wort, die in der Flüchtlingsseelsorge tätig ist. „Aber“ bittet sie: „Sprecht nicht immer von denen und von die alle. Gebt den Menschen ein Gesicht. Benennt sie, ganz konkret.“ Recht hat sie, das bestätigen viele mit anerkennendem Applaus.


Schlagwörter

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.