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Bärbel Wartenberg-Potter: Endlich das Seufzen der Natur erhören

Die frühere Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter sprach auf Einladung von Hoffnungsgemeinde und Niemöller-Stiftung über die Notwendigkeit einer „grünen Reformation“.

Klare Worte - sicher ganz im Sinne Niemöllers - von Bärbel Wartenberg-Potter. | Foto: Bettina Behler
Klare Worte - sicher ganz im Sinne Niemöllers - von Bärbel Wartenberg-Potter. | Foto: Bettina Behler

Vier Jahre lang, von 1997 an, war Bärbel Wartenberg-Potter, später in Nordelbien eine der ersten Bischöfinnen in Deutschland, Geschäftsführerin der in Frankfurt ansässigen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Der Weg zu ihrem Dienstsitz führte durch den Palmengarten. Noch heute gerät sie ins Schwärmen, wenn sie von der „grünen Lunge“ am Rande des Westends erzählt. Der Wandel der Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten, die aus aller Welt zusammengetragene Vielfalt der Vegetation hat die Theologin als Einstieg in den Tag geschätzt. „Vielleicht hat das auch dazu beigetragen, dass ich mich dem Thema Natur zugewandt habe“, so die 75-Jährige bei ihrem Vortrag der Hoffnungsgemeinde. Pfarrerin Jutta Jekel und Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung, hatten die Theologin eingeladen, über das Thema „Eine grüne Reformation - für den gestressten Planeten“ zu sprechen.

Vom Mensch als Herrscher zum Mitgeschöpf

Auf der Startseite von Bärbel Wartenberg-Potters Homepage ist der Planet Erde abgebildet. Auf den ersten Blick kann das als Hinweis auf ihren Berufsweg gesehen werden, 1980 kam sie als Direktorin für „Frau in Kirche und Gesellschaft“ zum Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf, von 1985 bis 1990 lehrte sie an der University of the West Indies in Kingston, Jamaika – aber sobald der Blick vom Bild zum Text wechselt, wird klar, hier geht es um ein Thema, dass der Theologin ein Anliegen ist, der Schutz der Natur: „Was zu tun ist : Eine Arche bauen, nein, viele Archen, gegen die Flut des Unrechts an den Geschöpfen der Erde.“

In ihrem Vortrag in Frankfurt sprach sie von einer „relectura“ der Bibel, die erforderlich sei. Bezüge zur Natur und den Mitgeschöpfen gelte es ausfindig zu machen – neu oder wieder. Allzu lang habe das im Argen gelegen: Die wachsende Bedeutung der Wissenschaften im 17. Jahrhundert, die folgende Industrialisierung habe den Geist, dass der Mensch die Erde sich untertan machen solle, befördert. Im Sinne Descartes, der den Menschen als „Herr und Meister des Universums“ betrachtete, sei auch die Theologie vorgegangen. „Anthropozentrisch“, den Menschen in den Mittelpunkt stellend, sei sie gleichfalls ausgelegt worden, so Wartenberg-Potter. Und damit sei kostbares Gut der Bibel versandet, das gelte es zu bergen, „bei Jesus gibt es unglaublich viele Naturbilder“, befand die gebürtige Pirmasenserin, die sich seit 2009 als Vorsitzende des Kuratoriums des „Instituts für Theologische Zoologie“ engagiert, in ihrem Vortrag.

Bibel als reicher Fundus

Das Senfkorn, den Hirten, das Bild vom Weinstock - all das finde sich in der Bibel. Es gelte aber Übersetzungen kritisch zu beäugen. Spiritualität – auch in Bezug zu der Umwelt – im Ursinn sei abhanden gekommen. Wenn Martin Buber statt „Wort“ den Begriff „Geistesfunken“ nutzt, sagt ihr das zu. Dass in der Buber-Rosenzweig Übersetzung der hebräischen Bibel abgewichen wird von dem Bild „Gott herrscht“ und stattdessen „Gott waltet“ genutzt wird, stößt bei Wartenberg-Potter auf Sympathie.

Viel zu sehr sei in den vergangenen Jahrhunderten bei den patriarchal geprägten Auslegungen der Heiligen Schrift auf Macht und Herrschaft geschaut worden.

Gestört hat Wartenberg-Potter, dass 2017, im Jahr des Reformationsjubiläums, zu wenig beachtet worden sei, was sich von Luther lernen lässt – auch mit Blick auf die Umwelt. Aus dem Bild des Reformators, dass wir als Menschen auf einen gnädigen Gott zählen können, lasse sich ableiten, „dass wir uns als gnädige Menschen erweisen“. Sie höre die Natur seufzen, so die Theologin. Höchste Zeit ein „lutherisches“ Apfelbäumchen zu pflanzen – und nicht nur das.


Autorin

Bettina Behler 35 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt

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