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Der neue Pfarrer der koreanischen Gemeinde: drei Predigten an einem Tag

Minyoung Kang wird am 9. Juni von Prodekanin Schoen eingeführt

Minyoung Kang mit Familie
Minyoung Kang mit Familie

Es ist hinlänglich bekannt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in der Regel sonntags einmal auf die Kanzel treten und predigen. Minyoung Kang muss gleich drei Mal am siebten Wochentag das Wort an die Gottesdienstbesucher richten. Um 10.30 Uhr beginnt der Theologe seinen Dienst im Kirchenraum der Koreaner im Frankfurter Gallus, für 13.30 Uhr wird der Pfarrer der Koreanischen Evangelischen Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet in Worms in der Lutherkirche erwartet, seine sonntäglichen Aufgaben enden für den 43-Jährigen mit dem Gottesdienst, den er um 16.30 Uhr in der Wiesbadener Erlöserkirche hält. „Ich halte jeweils immer die gleiche Predigt“, beruhigt Kang.

So hat es auch sein Vorgänger Pfarrer Jongpil Yun in der Regel gehalten. Eingeführt wird der neue Pfarrer der evangelischen Koreaner in Rhein-Main Minyoung Kang am Samstag, 9. Juni 2018, um 15 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes von Prodekanin Ursula Schoen im Gottesdienstraum der Koreaner, Sondershausstraße 51a.  Seit 2004 ist die koreanische Gemeinde unter dieser Adresse zu finden. Eingezogen ist sie als Mieterin der Evangelischen Versöhnungsgemeinde. Diese ist vor einigen Jahren mit der gleichfalls im Gallus ansässigen Friedensgemeinde zusammengegangen und hat die Kirche an die serbisch-orthodoxe Gemeinde verkauft, die koreanische Gemeinde mietete vom Evangelischen Regionalverband weiterhin das Gemeindehaus als Frankfurter Kirchensitz. Kang empfindet es als Bereicherung in unmittelbarer Nachbarschaft mit den Serbisch-orthodoxen seinen christlichen Glauben zu leben.

Am 1. Mai hat der Theologe seinen Dienst in der Gemeinde, die zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gehört, angetreten. Neuland hat der in Jeonju, Korea, Geborene damit nicht betreten. 2016 kam er nach Frankfurt und begann hier als „Assistenzpfarrer“ zu arbeiten. In Oberrad haben er, seine Frau und die beiden Söhne eine Wohnung gefunden, beide Kinder besuchen eine deutsche Schule.

Minyoung Kang hat einst in der Highschool Deutsch gelernt. Die Sprache hat ihm so gut gefallen, dass er sich für ein Lehramtsstudium Deutsch in Jeonju entschied. Dem Bachelor dort folgte ein Master in Pädagogik, erworben in Cheongju. Dunkelgrauer Anzug, hellblaues Hemd, Krawatte – Minyoung Kang würde auch als Mitarbeiter eines international tätigen Unternehmens eine gute Figur machen. Doch ihn hat es früh zu Menschen und Bildung und später zur Theologie gezogen, erzählt er.

Irgendwann habe ihm der Gottesdienstbesuch am Wochenende nicht mehr gereicht. „Meine Arbeit mit den Schülern machte mir deutlich, wie wichtig Seelsorge ist.“ C.G. Jung, Sigmund Freud – die fand und findet er interessant. „Der menschliche Charakter interessiert mich“, sagt Kang. Daran liegt es wohl auch, dass er David seine Lieblingsfigur aus der Bibel nennt: „Der ist so menschlich, hat auch Schwächen.“

Ein Steckenpferd, die Musik, passt zu Kangs jetzigem Beruf: „Ich singe gern, spiele auch Gitarre“. Der Pfarrer singt und predigt auf Koreanisch in den Gottesdiensten. Viele der Besucherinnen und Besucher sprechen im Alltag durchgehend Deutsch. Für sie bedeutet der sprachliche Wechsel eine Verbindung zur Heimat, oftmals ist es die der Eltern oder der Großeltern. Rund 100 Mitglieder hat die Frankfurter Sektion, 30 gibt es in Worms, 50 in Wiesbaden. Ein Drittel schätzt Kang sei über 60, gehöre zu den Pflegekräften, die in den sechziger, siebziger Jahren aus Korea nach Deutschland kamen, die anderen seien meist hier geboren. Vereinzelt stießen Leute hinzu, die für koreanische Firmen im Rhein-Main-Gebiet tätig sind.

Zum Abschluss kommt das Gespräch auf seine Uhr, statt der zwölf steht oben ein „Peace-Zeichen“. Seine Frau, die gleichfalls aus Korea stammt, hat sie ihm geschenkt.


Autorin

Bettina Behler 29 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt