Zugespielt ... - Kolleginnen und Kollegen im Porträt

"Ich war ein U-Boot-Christ"

Florian Dingler engagiert sich seit 2022 ehrenamtlich im Bauausschuss der Kirchengemeinde in Griesheim. Und er backt Brot für den Abendmahlsgottesdienst. Der 54 Jahre alte Architekt wuchs in Lübeck auf und kam beruflich nach Frankfurt. Er lebt mit seiner Frau und drei wilden Eichhörnchen in Griesheim.

Florian Diingler - Architekt und Brotbäcker, Fan von Eichhörnchen und Schafen. / Foto: Rolf Oeser
Florian Diingler - Architekt und Brotbäcker, Fan von Eichhörnchen und Schafen. / Foto: Rolf Oeser

Was sind Sie von Beruf?

Ich bin Architekt und für ein internationales Generalunternehmen für den Innenausbau von Büros, Banken und so weiter tätig. Dort bin ich für das Qualitätsmanagement zuständig. Ich helfe also Prozesse zu optimieren und Probleme aus der Welt zu schaffen, damit alles reibungslos läuft.

Wie kamen Sie zur Kirchengemeinde?

Das ist eine längere Geschichte. 2021 starben innerhalb von sechs Monaten fünf mir nahestehende Menschen. Meine beiden Eltern kurz hintereinander, ein guter Freund erlag innerhalb kürzester Zeit einem Tumor, mein Schwiegervater und ein Freund meines Vaters starben ebenfalls. Äußerlich bewältigte ich wohl alles gut, tat, was getan werden musste. Habe dann mit meinem Bruder zusammen die elterliche Wohnung auf- und ausgeräumt – auch als ersten Schritt der Trauerbewältigung. Meine Frau war mir auch eine große Unterstützung. Aber nach einiger Zeit spürte ich, dass da etwas ist, dass sich etwas in und mit mir verändert hatte, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich suchte die Pfarrerin um seelsorgerlichen Rat auf. Die kennen sich doch mit sowas aus, dachte ich mir.

Und seitdem auch im Ehrenamt?

Eigentlich war ich immer ein U-Boot-Christ – so habe ich das genannt. Einmal im Jahr bin ich in der Kirche aufgetaucht – zu Weihnachten. Und auch nur, weil mein Vater das so wollte. Aber ich bin immer bewusst Mitglied geblieben. Und die Gemeindezeitung habe ich auch immer interessiert durchgelesen. Zu der damaligen Zeit las ich einen Nachruf. Ein Gemeindemitglied war völlig unerwartet gestorben, hatte aber noch das Brot für den Abendmahlsgottesdienst am Sonntag fertig backen können, hieß es darin. Irgendwie hat mich das tief berührt. Meine Frau und ich backen sowieso immer das Brot bei uns zu Hause selbst. In unserem Kühlschrank daheim wohnt auch seit Jahren ein Sauerteig, der regelmäßig gefüttert wird. Am Ende meines besagten Gesprächs mit der Pfarrerin, bot ich also an, künftig gerne auch Brot für den Abendmahlsgottesdienst zu backen. So fing es an. Später kam noch der Bauausschuss dazu. Ich dachte mir, wenn ich schon das Brot vorbeibringe, dann kann ich auch gleich dableiben.

Beim alten Arbeitgeber sind sie dafür weg?

Genau so war’s. Ich war 22 Jahre bei meiner alten Firma. Aber in dieser turbulenten Zeit habe ich den Schwung, der mir gegeben war, auch gleich für einen beruflichen Neuanfang genutzt. Das war eine gute Entscheidung. Ich hätte nie gedacht, dass ich nach einem halben Jahr schon dem oberen Management in der Londoner Zentrale gegenübersitze. Ich bin seitdem regelmäßig in London.

Haben Sie Haustiere?

Ja, aber nur wilde. Auf unserer Terrasse steht ein Teller mit Nüssen und da kommen drei bis vier Eichhörnchen regelmäßig zum Klauen, das ist sehr süß zu beobachten. Und ich bin Pate eines Schafes in Maintal. Das haben mir meine ehemaligen Kollegen zum Abschied geschenk, als ich 2022 den Arbeitgeber wechselte. Ich finde Schafe total super. Wenn ich mit dem Fahrrad den Frankfurter Grüngürtel-Radweg fahre oder auch beim Wandern am Berger Hang, kann man sie auch oft sehen. Mein Patenschaf besuche ich manchmal, der Bauer im Rodgau lädt auch zur Schur ein. Eine tolle Sache.


Autorin

Sandra Hoffmann-Grötsch ist Journalistin in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach.