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Juwele der Kirchengeschichte, Teil 8: die Melanchthonkirche in Fechenheim

In unserer Reihe über die alten Frankfurter Dorfkirchen stellen wir diesmal die Melanchthonkirche in Fechenheim vor. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und nach dem wichtigen Reformator Philipp Melanchthon benannt.

Die Melanchthonkirche in Fechenheim wurde im späten 18. Jahrhundert erbaut. | Foto: Rolf Oeser
Die Melanchthonkirche in Fechenheim wurde im späten 18. Jahrhundert erbaut. | Foto: Rolf Oeser

Kirchlich gehörte das im Jahr 977 erstmals als „Uechenheim“ urkundlich erwähnte Fechenheim vor der Reformation zum Frankfurter Bartholomäusstift, politisch zur Grafschaft Hanau. Mit dieser wurde Fechenheim 1563/64 evangelisch reformiert. 

Die alte katholische Kirche von Fechenheim wurde von den Reformierten übernommen und bis 1774 genutzt, dann war sie zu baufällig geworden und wurde 1810 abgerissen. 

Zugezogene lutherischen Glaubens hatten sich 1680 eine eigene Kirche im Stadtteil gebaut, die aber ebenfalls bald baufällig wurde. Diese lutherischen Christinnen und Christen bauten 1771/72 eine neue Kirche in Fechenheim, eben die heutige Melanchthonkirche, benannt nach dem Reformator Philipp Melanchthon, der ein Weggefährte Luthers war. Sie sah allerdings etwas anders aus als heute: die dreistufige Turmhaube des Kirchturms saß damals als Dachreiter auf dem Langschiff. 

Ab 1793 wurde die Kirche dann von lutherischen und reformierten Christinnen und Christen gemeinsam genutzt. Die Reformierten brachten aus ihrer Kirche die gotische Glocke von 1390 mit. Mit der so genannten „Hanauer Union“ im Jahr 1817 wurden beide Gemeinden auch offiziell vereinigt. 

1901-1904 wurde die Saalkirche im Stil des Hanauer Barock gründlich renoviert. Dabei wurden unter anderem die Fenster vergrößert, die Bankanordnung verändert, eine Sakristei angebaut, ein freistehender Sandsteinaltar aufgestellt und über dem Altar eine Kanzel mit Schalldeckel angebracht. 1907 wurde die Kirche neobarock erneuert. In den Jahren 1928-1930 erhielt sie einen Vorbau am Eingang und einen neuen Glockenturm, dessen Spitze der alte Dachreiter wurde.

Bei der Reparatur von Bombenschäden wurden 1944 die Wandmalereien von Anfang des Jahrhunderts entfernt. Im Juli 1961 musste die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Erst jetzt erfolgte die endgültige Beseitigung der Bombenschäden. Dabei wurden sechs Fenstergiebel des historisierenden Umbaus entfernt; einen davon sieht man noch im Kirchgarten. Außerdem erhielt die Kirche neue Fenster, deren Entwurf und Ausführung bei dem Pariser Atelier Pillod lagen. Sie stellen den Einzug Jesu in Jerusalem und die Kreuzabnahme dar, an der Rückfront sind ein Abendmahlsbild sowie ein Lamm Gottes zu sehen. Im Altarraum wurde ein Taufstein aufgestellt. Nach grundlegender Sanierung wurde die Kirche am 2. Advent 1966 wiedereröffnet.

Nach den Plänen von Architekt Rolf Hempelt wurde in den Jahren 2001 bis 2003 um die Kirche ein Gemeindehaus gebaut. Durch dessen L-förmige Form entstand ein Innenhof. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. 

Malanchthonkirche, Pfortenstraße 4, 60386 Frankfurt. Gottesdienst ist sonntags um 10.30 Uhr. Eine Besichtigung kann im Gemeindebüro vereinbart werden (Telefon 069/411420). Während der Öffnungszeiten des Büros ist auch die Kirche zugänglich: Montags 10-12 und 14.30-16.30 Uhr, dienstags 10-12 und 15.30-17.30 Uhr, donnerstags 14.30-16.30 Uhr, freitags 10-12 Uhr.


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Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt".

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