Kunst & Kultur

Schluffige Männer, starke Frauen: Literatur aus dem Buchmessenland Georgien

Georgien ist in diesem Jahr Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse. Zur Vorbereitung hat unsere Kolumnistin Anne Lemhöfer einige Lesetipps aus der georgischen Gegenwartsliteratur. 

Anne Lemhöfer ist Autorin und Kolumnistin für Evangelisches Frankfurt. |Foto: Tamara Jung-König
Anne Lemhöfer ist Autorin und Kolumnistin für Evangelisches Frankfurt. |Foto: Tamara Jung-König

Gamardschoba! Das ist Georgisch und heißt Guten Tag. Sie sollten Gamardschoba vom 10. bis zum 14. Oktober in Ihren aktiven Wortschatz aufnehmen – denn dann ist in Frankfurt wieder Buchmesse. Mit Georgien als Ehrengastland. 

Wenn ein Land Ehrengastland ist, bedeutet das im Wesentlichen, dass viele Bücher aus diesem Land übersetzt und viele seiner Probleme in den Feuilletons besprochen werden. Georgien lässt sich allerdings nicht so einfach in einen Messepavillon quetschen. Es ist ein halbwegs funktionierender demokratischer Staat. Die Tifliser Band Young Georgian Lolitas hat es 2016 ins Finale des Eurovision Song Contest geschafft. Seit 7000 Jahren tränken die Georgier Wein, verkündet der Lonely Planet. Passt ja zur Buchmesse. Und sie liebten die EU. Das ist ein bisschen traurig, denn die EU will Georgien ja nicht haben. 

Humor haben sie aber, die Georgier. Zum Beispiel der 1982 geborene Autor Lasha Bugadze. Bugadze erzählt im Roman „Der Literaturexpress“ die hinreißende Geschichte eines erfolglosen georgischen Dichters, der aus merkwürdigen Gründen gemeinsam mit 99 anderen Dichtern auf eine Zugreise durch Europa eingeladen wurde. 

Schluffige Männer, starke Frauen: Das ist die wiederkehrende Gemengelage der georgischen Gegenwartsliteratur. Die Autorin Nino Haratischwili etwa erzählt im Buch „Das achte Leben“ die furchtbare Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert. In ihrem Buch sind die Männer nur Statisten, traumatisierte und passive Patriarchen, die das Leben der Frauen an ihrer Seite ruinieren. 

Oder Sura, der glückliche Vater und weniger glücklicher Hausmann aus Davit Gabunias Ende August erschienenen Romans „Farben der Nacht“. Sura beobachtet seine Nachbarn und leidet. 

Leiden werden Sie dagegen garantiert nicht beim Lesen eines georgischen Romans. Und auf der Buchmesse höchstens beim Suchen nach einer Toilette in Halle 5.1. Aber die wahre Messe entfaltet sich ja sowieso erst abends auf den Verlagspartys. In diesem Sinne: Prost! Beziehungsweise: Gaumardschoss, wie man in Georgien sagt. 


Autorin

Anne Lemhöfer 25 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

0 Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.

Artikel kommentieren

Lebhafte Diskussionen sind interessant, können aber manchmal die Gemüter erhitzen. Bitte achten Sie auf einen angenehmen Umgangston und vermeiden Sie verbale Angriffe auf andere Kommentatoren. Die Redaktion behält sich vor, unangebrachte Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder.