Kunst & Kultur

Ich bin ein Problem. Und Sie wahrscheinlich auch.

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Wir sind alle Mangelware. Aber trotzdem interessant, aus der richtigen Perspektive. Eine Ausstellung im Museum für Moderne Kunst übers (nicht) Perfektsein.

Problembewusstsein auch im "Margarete" in der Braubachstraße. Die Autorin hat 14 Selfies gemacht. Der erste Versuch war dann doch der beste.
Problembewusstsein auch im "Margarete" in der Braubachstraße. Die Autorin hat 14 Selfies gemacht. Der erste Versuch war dann doch der beste.

Diese Ausstellung nimmt Sie in den Arm und flüstert beruhigend: „Du bist okay, so wie du bist. Wir sind alle Mangelware. Aber schau, wie interessant wir dabei aussehen.“ Für „I am a Problem“ hat Theaterregisseur Ersan Mondtag Werke aus der MMK-Sammlung inszeniert. Der rote Faden ist ein schwarzer Schlauch, der sich durch die mit meist gelben Plastikplanen tapezierten Räume wälzt: Der Bandwurm, den Maria Callas in sich aufgenommen haben soll, und so 50 Kilo abnahm. Völlig verrückt? Kommt auf die Perspektive an. Unsere Narben und Fehlschüsse geben immer noch die bessere Geschichte ab. Oder haben Sie schon mal eine Tischrunde unterhalten mit ihrem perfekten Sonnenscheintag, an dem alles glatt ging? Und außerdem kommt es sowieso auf die Perspektive an: Bin ich zu dick? Oder ist einfach der Durchgang viel zu schmal?  Und auf die Kultur: Das fehlende Jungfernhäutchen mag dort hochdramatisch sein, hier völlig schnuppe. Ach, wir sind schon einigermaßen okay so, wie wir sind.

Die Ausstellung ergänzt ein Psychotest auf der Website


Autorin

Manon Priebe
Manon Priebe 6 Artikel

Manon Priebe (*1987) hat Sinologie in Würzburg und Peking sowie Journalismus in Mainz und Memphis studiert. Ihre Stärken sind die langen Stücke - gründlich recherchiert, mitreißend geschrieben. Ihre zweite Leidenschaft passt meist in 140 Zeichen und gilt der Social Media-Spielwiese.

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