Leben & Alltag

Einen Tag in der Woche nicht zu arbeiten ist gar nicht so einfach

In vielen Berufen ist die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit längst verwischt. Können auch Menschen, die nicht nach Stechuhr arbeiten, „den Feiertag heiligen“? Ein Selbstversuch.

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Foto: Alexandre Godreau | Quelle: unsplash.com

Die Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit funktioniert bei mir schon lange nicht mehr. Als Journalistin wittere ich überall und ständig potenzielle Themen, als Freiberuflerin setze ich mich auch spätabends noch an den Computer, wenn ein Kunde dringend was will.

Trotzdem (oder grade deshalb?) hatte ich irgendwann den Wunsch, dieser Flut von Alltäglichkeiten etwas entgegenzusetzen: Ich beschloss, den Sonntag wieder als Feiertag zu begehen. Also einen Tag in der Woche nichts „Profanes“ zu tun, sondern mir Zeit für das „Heilige“ zu nehmen. Bloß ist das leichter gesagt als getan. Denn was genau bedeutet das, wenn es konkret wird?

Viele lösen das Problem technisch und lassen ihren Computer aus oder zumindest Facebook und lesen stattdessen auf Papier oder greifen zum Telefon. Aber ich finde, es ist keine technologische Frage, sondern eine inhaltliche.

Für mich hat sich Folgendes bewährt: Als klar „profan“ einsortiert habe ich alle Tätigkeiten, die mit Geldverdienen zu tun haben. Nicht nur die Steuererklärung muss sonntags liegen bleiben, sondern auch das Sachbuch, das ich gerade für eine Recherche lese. Stattdessen habe ich Zeit für Romane.

Schwieriger ist es bei den unbezahlten Arbeiten. Verboten ist natürlich alles, was mit Notwendigkeiten zu tun hat wie Putzen, Einkaufen, Aufräumen, Reparieren. Kochen hingegen kommt darauf an: Wenn es bloß darum geht, etwas zum Essen zu haben, wärme ich lieber Reste von gestern auf. Ein schönes Abendessen für Gäste zuzubereiten ist hingegen erlaubt, das ist nämlich alles andere als profan.

Ähnlich sieht es beim Sport aus: Sonntags gibt es bei mir kein Fitness-Studio, keinen Workout, aber gerne einen Spaziergang oder einen Ausflug in die Natur. Natürlich kann ich sonntags auch ganz einfach gar nichts tun und nur vor mich hinträumen. Oder ich kann ins Museum gehen. Freunde besuchen. Spielen. Instagrammen.

Und wenn mich doch mal das schlechte Gewissen beschleicht, weil ich nicht die wirklich schon sehr dreckigen Fenster putze, sondern Netflix gucke oder in alten Fotoalben stöbere, dann kann ich sagen: Ist schon okay, Gott will das so. Heute ist doch Sonntag. 


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Antje Schrupp 93 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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